Qualitätsmanagement in der Physiotherapie

| nach einem Bericht der Hallertauer Zeitung vom 18.01.2006

Die Urkunde hat bereits einen Ehrenplatz bekommen. Doch der Betrachter käme nie auf die Idee, wie viel Arbeit und Engagement dahinter steckt, um dieses seltene Zeugnis zu bekommen. Die Rede ist von der DIN ISO Norm 9001:2000, nach der sich die am Krankenhaus Mainburg angesiedelte Physiotherapie-Praxis Reiser vor kurzem zertifizieren ließ. Damit gehört die sie zu den ersten 26 Einrichtungen in Deutschland, die von der VPT-cert in Hamburg dieses Gütesiegel für Qualitätsmanagement erhielten.

Insgesamt 1000 Arbeitsstunden investierten die Reisers, um dieses Zeugnis zu bekommen. Anfang des vergangenen Jahres fassten sie den Entschluss, diesen - nicht einfachen - Weg zu gehen. Heraus kam ein Konvolut mit nicht weniger als 116 Seiten, das die einzelnen Arbeitsabläufe bis ins kleinste Detail dokumentiert und somit einen hohen Qualitätsstandard garantiert. 

Qualitätsmanagement, für Industrie- und Handwerksbetriebe längst eine Selbstverständlichkeit, ist seit der Umsetzung des so genannten Gesundheitsmodernisierungsgesetzes auch für Leistungserbringer im Gesundheitswesen eine bindende Verpflichtung. Also beschloss man in der Praxis Reiser, so schnell wie möglich diesen Weg zu gehen. Durch die sehr praxisorientierten Seminarschulungen, die der VPT, LG Bayern, anbietet, konnte das gezielte Basiswissen über das QM-System leicht verständlich erarbeitet werden. Der Dozent Hans Ortmann verstand es, "Aus der Praxis - für die Praxis"-Wissen zu vermitteln. Die Kosten der Seminarteilnahme inclusive des Musterhandbuches, waren mit rund 1.000 Euro vergleichsweise günstig.
Den Aufbau des auf die eigene Praxis mit ihren 15 Mitarbeitern zugeschnittenen Qualitätsmanagements machten Reinhard und Daniel Reiser zur "Chefsache".
Als Qualitätsbeauftragte brachte Anneliese Reiser alle gemeinsam erarbeiteten Unterweisungen in verständlicher und gültiger Form zu Papier.
Die Ausarbeitung eines Praxisleitbildes und die Erstellung einheitlicher Verfahrensanweisungen über die Patientenannahme, den Rezept- und Patientendurchlauf, die Rezeptabrechnung und das Mahnwesen, die Fortbildungs- und Urlaubsplanung sowie eines Arbeitszeitmodells waren ebenso Schwerpunkte wie allgemein gültige Hygienerichtlinien, die Arbeitsschutzverordnung, Arbeitssicherheit und vieles mehr.

Der Umgang in Krisen- und Notfallsituationen, die Besonderheiten der therapeutischen Versorgung von stationären Patienten wurde ebenso festgeschrieben wie die gefahrlose Bedienung des Patientenlifters und die Sicherstellung der Wasserqualität im Therapiebecken. Das Beschwerdemanagement, die Befund- und Therapiedokumentation sowie die Datensicherheit und ein Einarbeitungskonzept für Mitarbeiter wurden in dem Handbuch einheitlich dokumentiert und sind für jeden Mitarbeiter jederzeit nachzulesen. Die Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit wurde durch Fragebögen ermittelt.

Ende des vergangenen Jahres schlug dann die "Stunde der Wahrheit". Während des laufenden Betriebes erfolgte die Praxisvisitation eines von der VPT-cert in Hamburg bestellten Auditors, der das gesamte System mit seinen Abläufen auf Herz und Nieren prüfte. Die gute Nachricht traf drei Tage vor Heilig Abend quasi als vorweggenommenes Weihnachtsgeschenk bei den Reisers ein: VPT-cert teilte nach eingehender Prüfung mit, dass Gutachter und Auditor einhellig und uneingeschränkt die erfolgreiche Einführung des Qualitätsmanagement-Systems bescheinigt hatten.

Der Geschäftsführer des Krankenhauses Mainburg, Hans Kaltenecker, lobte die weitreichende Entscheidung der Praxis Reiser als Gewinn für das ganze Krankenhaus. Als großen Schritt nach vorne lobte er den Einsatz der Reisers und zeigte sich höchst zufrieden über den seit 15 Jahren etablierten Klinikpartner. Die physiotherapeutische Versorgung der ambulanten wie der stationären Patienten erfüllt alle Voraussetzungen eines modernen Qualitätmanagements.

Dieser Meinung schloss sich die Ärzteschaft vollauf an. "Auch wenn QM-Systeme nicht eins zu eins aus der Wirtschaft übernommen werden können, seien Qualitätsmaßnahmen heute in allen Bereichen des Gesundheitswesens Standard" sagte Ärztlicher Direktor Dr. med. Heinrich Rossmann. Landrat Hubert Faltermeier würdigte diese Vorreiterrolle im Bereich der Physiotherapie und sprach in diesem Zusammenhang von einer wünschenswerten Entwicklung der "Leistungsträger im Gesundheitswesen". "Bei Ihnen kann man Qualität nun schwarz auf weiß dokumentieren" schloss der Landrat seine lobenden Worte.