Fitness und Gesundheit?

| Univ.-Prof. Dr. med. C. Mucha

Einleitung und Problemstellung

Fitness und Gesundheit sind Begriffe, die nicht nur in der Umgangssprache, sondern auch in der wissenschaftlichen Literatur verschieden gebraucht, unterschiedlich definiert und individuell interpretiert werden (Gebert, 1977). 
Der aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammende Begriff "Fitness" wird dort als Tauglichkeit, Tüchtigkeit und Angemessenheit für etwas (Wahrig 2001) bzw. als Lebenstauglichkeit des Menschen sowie dessen aktuelle Eignung für beabsichtigte Handlung definiert (Kayser 2003). Sharkey (1990) unterscheidet zwei Komponenten von Fitness; die objektiv-physiologische und die subjektiv-emotionale und psychologische. Kent (1997) teilt sie wiederum in health-related (Aerobic-Fitneß, Muskelkraft, Muskelausdauer, Flexibilität und körperliche Zusammensetzung) und skill-related (Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination, Geschwindigkeit und Reaktionszeit) ein. Beide Komponenten hängen voneinander ab, so daß bei einem Mangel im Bereich einer Komponente die Einschränkung der generellen Fitneß resultiert. Für manche Autoren geht der Fitneßbegriff über den körperlichen Bereich weit hinaus und steht für Erfolg und gesellschaftliche Akzeptanz (Beuker, 1993; Mrazek, 1988). Sie sehen Fitneß als ein Leistungscharakteristikum von hoher Variabilität an, das individuell oder gesellschaftlich zu interpretieren ist, und unterteilen in: motorische Fitneß, psychische Fitness sowie soziale Fitness.
Für "Gesundheit" liegt ebenfalls keine allgemeingültige Definition vor. Aus medizinisch-naturwissenschaftlicher Sicht wird Gesundheit als Negation von Krankheit betrachtet. Krankheit ist in diesem Zusammenhang die Abweichung von einer meßbaren biologisch-somatischen Gesundheitsnorm (Haug, 1991). Die hier unberücksichtigten subjektiven Dimensionen werden wiederum in psychologischen und soziologischen Betrachtungsweisen stark betont. Die WHO versucht einen integrativen Ansatz der Gesundheitsdefinition und betont die Wechselwirkung von physischen, psychischen sowie sozialen Komponenten, indem sie die Gesundheit als Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert. In der Regel sind sowohl den biomedizinischen als auch biopsychosozialen Modellen der Gesundheitsdefinition die defizitorientierten, pathogenetischen Ansätze gemeinsam. Dem gegenüber geht das salutogenetische Prinzip von Antonovsky (1989) von einem Kontinuum zwischen den Polen Krankheit und Gesundheit aus, um die Festlegung von Normen zu vermeiden und den aktuellen Zustand individuell festzulegen.

Nicht selten werden Fitneß und Gesundheit auch synonym verwendet (Haag, 1997; Röthig, 2003). Israel (1991) unterscheidet im Zusammenhang von Fitneß und Gesundheit drei Formen von Adaptation: genetische, epigenetische und metabolische Adaptation. Die Wechselbeziehung zwischen diesen Adaptationsformen erklärt den Zusammenhang von Fitneß und Gesundheit. Dabei ist auch die körperliche Aktivität einzubeziehen, wie das Modell von Bouchard und Shephard (1994) in Abbildung 1 verdeutlicht. Nach Blair (1996) und Oja (2001) konnte der Einfluß körperlicher Aktivität auf die Fitneß in gut kontrollierten Studien nachgewiesen werden (Evidenzkategorie B). Die Fitneß ist wiederum mit der Gesundheit in reziproker Weise verbunden. Auch der Gesundheitsstatus bewirkt eine veränderte körperliche Aktivität und bestimmt damit den Fitneßgrad. Kayser (2003) stellt fest, daß man auch ernsthaft krank sein kann, obwohl man hohe Werte in einem Fitneßtest erreicht. Auf die individuelle Gesundheit nehmen vor allem persönliche und genetische Merkmale Einfluß (Bouchard, 1997).

Um sich einer guten Gesundheit zu erfreuen, wird heute vielfach eine gute Fitneß proklamiert, so daß anhand einer Literaturrecherche Ergebnisse zum Zusammenhang von Fitneß und Gesundheit analysiert werden sollten. Im Einzelnen sollte untersucht werden, ob die Fitneß die Gesundheit beeinflußt; die Gesundheit die Fitneß und ob ein kausaler Zusammenhang zwischen diesen beiden Komponenten anzunehmen ist. 

Methodik

Die Literaturrecherche erfolgte in der Zentralbibliothek der Medizin und Sportwissenschaften mittels MedPilot und SPOLIT, wobei beide mehrere Datenbanken erfassen. Berücksichtigt wurden Studien ab 1980 in deutscher und englischer Sprache, die den Zusammenhang von Komponenten der Fitneß und Gesundheit untersuchten. Die Begriffe Fitneß und Gesundheit wurden eingegrenzt, indem unter Fitneß die gesundheitsorientierte Fitneß, die aus den Komponenten Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination besteht, und unter Gesundheit die naturwissenschaftlich-medizinische Definition als Abwesenheit von Krankheit, und ausschließlich von physischer Krankheit, berücksichtigt wurden. 

Ergebnisse

In den recherchierten Studien kamen unterschiedliche Meßmethoden für die Bestimmung von Fitneß und Gesundheit zur Anwendung.
Die Fitneß wurde durch apparative und sportmotorische Tests sowie Selbsteinschätzungsskalen und Fragebögen gemessen. Die direkte Messung erfolgte anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme VO2max (= Sauerstoffmenge, die in einer Minute bei größtmöglicher Anstrengung auf einem Fahrrad oder Laufband verstoffwechselt wird). Diese Fitneßbestimmung wurde für die recherchierten Studien bevorzugt. Alternativ kam auch die Herzfrequenz oder der Blutdruck bei einer vorgegebenen Belastung zum Einsatz. Es wurde jedoch eingeschränkt, daß mit dieser Bestimmung nicht die allgemeine körperliche Belastung, sondern nur ein Bereich erfaßt werden kann. Darüber hinaus wurden auch indirekte Messungen berücksichtigt, da sie Untersuchungen mit höheren Probandenzahlen erleichtern. Die empfohlenen Parameter eines Fitneßtests nach dem American College of Sports Medicine (ACSM) (2000) sind in Tabelle 1 zusammengefaßt. Im Zusammenhang mit gesundheitlichen Aspekten kam unter den zahlreichen Fitneß-Komponenten am häufigsten die Ausdauer zum Einsatz. Dabei sind nach Howlly und Franks (2003) folgende Parameter zu erfaßen: Sauerstoffaufnahme des Körpers in Liter pro Minute (Sauerstoffaufnahme in Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Minute) und/oder metabolisches Äquivalent (MET), wobei ein MET den Sauerstoffverbrauch eines Erwachsenen in Ruhe bezeichnet und etwa 3,5 ml x min-1 beträgt (Ainsworth et al., 1993).
Bei der Bestimmung der Gesundheit wurden ebenfalls objektive und subjektive Methoden unterschieden. Anamnese und medizinisch-technische Untersuchungsparameter wurden als objektive Methoden am häufigsten erfaßt. Unter den subjektiven Methoden kamen Selbsteinschätzungsskalen, Symptom- und Beschwerdelisten bzw. Fragebögen zum Einsatz.

Dabei wiesen in den analysierten Studien Männer in allen Komponenten, außer bei Beweglichkeit eine höhere Fitneß auf als Frauen. Neben den hormonellen Unterschieden, die Einfluß auf den Körper speziell während eines Trainings nehmen (Tripton, 2001), bedingt bei Frauen die kleinere Kapazität des Kreislaufsystems eine geringere Sauerstofftransportmöglichkeit. 

Nach Shephard (2000) beträgt die Differenz gegenüber Männern ca. 13%. Auch Unterschiede, die bezüglich der Hypoxämie während eines Trainings von Robergs et al. (1998) festgestellt wurden, müssen nach Pellicia et al. (1991) insofern relativiert werden, als bei Hinzuziehung weiterer Parameter wie z.B. Körperoberfläche oder Lean Body Maß (LBM) die Unterschiede in der Kapazität des Kreislaufsystems zwischen beiden Geschlechtern ausgeglichen werden. Das betrifft gleichermaßen die Trainierbarkeit der Muskelkraft, obwohl der weibliche Organismus 30% weniger Muskelmasse besitzt. Dennoch bestehen nach Cureton et al. (1988) bezüglich der Trainierbarkeit keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, falls die Kraftunterschiede unter Einbeziehung der Körpermaße sowie des LBM beurteilt werden. Insofern kann auch die Inzidenz physischer Krankheiten, die sich bei den Geschlechtern unterschiedlich häufig äußert (Statistisches Bundesamt http:// www.destatis.de/basis/d/gesu/gesutab11. php) nicht allein auf die Fitneß bezogen werden. Selbst die Beweglichkeit, als einzige Komponente unterschiedlicher Ausprägung, läßt aufgrund mangelnder Studien zu ihrer Auswirkung auf die Gesundheit derzeit keine Rückschlüsse zu. 

Da darüber hinaus in den recherchierten Studien Einflüße der Fitneß jeweils nur auf bestimmte Funktionsbereiche bzw. Zielvariablen untersucht wurden, sollen deren Ergebnisse entsprechend nach Bewegungsapparat, kardiovaskulärem System, Immunsystem sowie Mortalität gegliedert aufgeführt werden:

Nach Lewis und Modlesky (1998); Rhodes et al. (2000); Shaw et al. (2001) besteht eine lineare Beziehung zwischen einem Krafttraining und der Knochendichte sowohl bei Frauen als auch Männern. Alfredson et al. (1999) fanden hingegen keine Beziehung zwischen Krafttraining und Knochendichte. Nach Israel (1994) können durch muskuläre Dysbalancen bedingte Beschwerden an Wirbelsäule, Weichteilapparat oder Gelenken ausgeglichen werden. Grimby (1994); Stone (1994) und Starischka (1995) konnten aufzeigen, daß Sehnen und Bänder durch Belastung resistenter und weniger verletzungsanfällig werden. Knapig et al. (1993) fanden bei 298 männlichen Soldaten eine erhöhte Verletzungsgefahr am Bewegungsapparat infolge schlechter Fitneß und höheren Alters. Harwood et al. (1999) wiesen bei erhöhter Fitneß eine verminderte Verletzungsgefahr nach. Hootman et al. (2001), Requa et al. (1993) und Sutton et al. (2001) fanden jedoch, daß das Verletzungsrisiko weniger von der Fitneß als vielmehr von der Art der körperlichen Aktivität abhängt. Senn (1994) stellte fest, daß der Stütz- und Bewegungsapparat lebenslang anpassungsfähig bleibt, sofern Überlastungen vermieden werden. 

Im Bereich von Herz-Kreislauferkrankungen untersuchten die meisten Studien Fitneßeinflüße auf die koronare Herzkrankheit (KHK), wobei oft Effekte an den typischen Risikofaktoren dieser Erkrankung analysiert wurden. 

Unter den Studien, die mehrere Risíkofaktoren der KHK gleichzeitig erfaßten, fanden Wilmore et al. (2001) an 502 untersuchten Personen keine Verbesserung der Risikofaktoren trotz verbesserter Ausdauer. Blair et al. (1996) untersuchten an über 25.000 Männern Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit und stellten fest, daß ein niedriger Fitneß-Level ein relativ höheres Risiko darstellt als Übergewicht, hoher Blutdruck, hoher Cholesteringehalt und Rauchen. Dieses Ergebnis wurde in weiteren Studien von Carnethon (2003), Eaton et al. (1995), Haapanen-Niemi et al. (2000), Hardman und Stensel (2003), Katzmarzyk (2001), Kokkinos et al. (1995), LaMonte et al. (2000), Sandvik et al. (1993), Suzuki et al. (1998) und Woll (1996) bestätigt. Die Autoren schließen daraus, daß der Entstehung einer koronaren Krankheit durch eine erhöhte Fitneß entgegengewirkt werden kann. Laukkanen et al. (2002) kamen aufgrund eines Reviews zu dem Schluß, daß eine geringe kardiorespiratorische Fitneß ein wichtiger und unabhängiger Risikofaktor für die KHK ist. Blair et al. (1995) kommen in einer Längsschnittuntersuchung zu dem Ergebnis, daß eine Steigerung des Fitneßniveaus eine Erkrankung am Herz-Kreislauf-System vermindert. Sie fanden, daß als fit eingestufte Probanden ein ca. 52% niedrigeres Risiko besitzen, von kardiovaskulären Erkrankungen betroffen zu werden, als nicht fitte. Unter Vorbehalt kann aus den Ergebnissen geschlossen werden, daß Personen mit einer geringen Fitneß eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, am Herz-Kreislauf-System zu erkranken. Allerdings läßt sich aufgrund der in Querschnittsstudien gewonnenen Ergebnisse nicht voraussagen, welcher längerfristige Zusammenhang hier besteht, da das Gesundheitsniveau entweder nur mit Probanden hoher oder niedriger Fitneß verglichen wurde (Farrell et al., 1998; Hardman und Stensel, 2003). Es kann nicht vorhergesagt werden, inwieweit der Fitneßzustand die momentane oder künftige Gesundheit beeinflußt (Leonard, 2001; Malina, 2001).

Insgesamt konnten im recherchierten Intervall nur zwei Studien gefunden werden, die den Zusammenhang zwischen Fitneß und Schlaganfall untersuchten. Lee und Blair (2002) untersuchten 16.878 Männer über einen Zeitraum von 10 Jahren. Innerhalb dieses Untersuchungsintervalls erlitten 32 einen Schlaganfall. Von diesen wurden 14 in die Gruppe der wenig Fitten, 11 in die mittlere und 7 in die fitte Gruppe eingestuft. Kurl et al. (2003) konnten dieses Ergebnis bestätigen. Dennoch können die Ergebnisse beider Studien nur als Hinweis gedeutet werden. 

Obwohl in den letzten Jahrzehnten eine große Zahl an Untersuchungen (Schulz, 2002) zur Wirkung physischer Belastungsformen auf das Immunsystem durchgeführt wurden, waren Studien zum Einfluß der Fitneß auf das Immunsystem nur vereinzelt aufzufinden. Ausgehend von der Annahme, daß das Immunsystem Einflüße auf Tumorzellen ausübt (Hardman und Stensel, 2003), untersuchten Evenson et al. (2003) bei 2.585 Frauen und 2.890 Männern die Beziehung zwischen Fitneßlevel und Krebsrisiko. Sie fanden, daß die Männer mit bestem Fitneßlevel ein signifikant geringeres Risiko (0,47) besitzen, an Krebs zu erkranken, ohne daß dies gleichzeitig für Frauen zutrifft. Dem gegenüber fanden Kampert et al. (1996) sowohl für Männer (0,36) als auch Frauen (0,47) ein geringeres Risiko. Sawada et al. (2003) fanden sogar ein sinkendes Risiko von 0,75-0,41-0,34 bei entsprechend steigendem Fitneßlevel. Die Ergebnisse von Oliveira et al. (1996) weisen darauf hin, daß das Risiko für Männer über 60 Jahre, an Prostatakrebs zu erkranken, mit steigendem Fitneßlevel geringer wird.

Es konnten relativ viele Studien gefunden werden, die in z.T. groß angelegten epidemiologischen Untersuchungen den Zusammenhang von Fitneß und Mortalität prüften. Meistens wurden Vergleiche zwischen Fitneßlevel und den typischen Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels unternommen. In der Studie von Blair et al. (1996) wurde anhand eines maximalen Belastungstests der Fitneßlevel in Quintel eingeteilt, wobei Quintel 1 die niedrigste und Quintel 5 die höchste Fitneß ausweist. Neben den Risikofaktoren Rauchen, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Übergewicht verglichen sie bei Frauen und Männern den Fitneßlevel im ersten und zweiten Quintel in Relation zum Sterberisiko. Ihr Ergebnis ist in Abbildung 2 zusammengefaßt. Auch Myers et al. (2002) untersuchten bei 3.679 Teilnehmern ohne koronare Herzkrankheit das relative Sterberisiko im Vergleich zum Fitneß-Quintel. Sie fanden, daß das relative Sterberisiko im untersten Fitneß-Quintel um das Vierfache höher ist als im oberen Fitneßlevel und daß in beiden Gruppen eine Erhöhung der Überlebenschancen von 12% pro hinzugenommenem MET erfolgt. Zusätzlich untersuchten sie in Subgruppen die Beziehung von Fitneß und erhöhtem Sterberisiko bei Probanden mit weiteren Risikofaktoren wie Hypertonie, chronisch obstruktiven Lungenkrankheiten, Diabetes, Rauchen, Fettleibigkeit und Hypercholesterinämie. Dabei fanden sie in allen Subgruppen ein annähernd doppelt so hohes Sterberisiko bei Probanden unter 5 MET im Vergleich zu jenen, die mehr als 8 MET erreichten. Balady (2002) schließt aufgrund dieser Ergebnisse, daß ein höherer Fitneßlevel, insbesondere bei Vorliegen anderer Risikofaktoren, das relative Sterberisiko zu senken vermag. Blair et al. (1995) prüften in einer Längsschnittuntersuchung, ob eine Veränderung des Fitneßlevels sich auf die Mortalitätsrate auswirkt, und fanden in einem Untersuchungsintervall von fünf Jahren, daß die Mortalitätsrate in der Gruppe, die zu beiden Meßzeitpunkten als fit eingestuft wurde, am geringsten ausfiel. Die Untersuchungen von Erikssen et al. (1998), Laukkanen et al. (2001) sowie Sandvik et al. (1993) konnten ebenfalls eine Beziehung zwischen Fitneß und Mortalitätsrate nachweisen. Die Ergebnisse dieser Studien sind in Abbildung 3 zusammengefaßt. Von Williams (2003) wurden jedoch die Untersuchungsergebnisse von Blair et al. (1995) sowie Erikssen et al. (1998) wegen offensichtlicher Meßfehler kritisiert. Nach Korrektur dieser kam er jedoch insgesamt zur gleichen Schlußfolgerung. Mit der beanstandeten Methode verglichen Blair et al. (1993), Kampert et al. (1996) und Villeneuve et al. (1998) den Zusammenhang zwischen Fitneß und Mortalität sowie die Auswirkung von Alter und Fitneßlevel bei Frauen und Männern. Sie konnten zeigen, daß im mittleren bis hohen Alter ein Aufstieg in einen höheren Fitneßlevel die Mortalitätsrate, unabhängig vom Geschlecht, signifikant senkt. Lee et al. (1999) untersuchten die Beziehung zwischen Fitneß, Übergewicht und Sterberisiko. Sie fanden, daß unfitte, magere Männer ein doppeltes relatives Sterberisiko aufweisen als fitte, dickere Männer. Zudem konnten sie aufzeigen, daß magere einen eingeschränkteren Nutzen von Fitneß haben. Bemerkenswert ist aber, daß lediglich 6% in der mageren Gruppe unfit waren, dagegen 40% in der Gruppe der Übergewichtigen. Auch Wei et al. (1999) untersuchten über durchschnittlich 10 Jahre an 25.714 Männern mittleren Alters das relative Sterberisiko in Abhängigkeit von Übergewicht, KHK, Diabetes, Hypercholesterinämie, Hypertonie und Rauchen. Ihre Ergebnisse zeigen, daß fettleibige Männer (BMI (30 kg x m -2), die als nicht fit eingestuft wurden, ein mehr als doppelt so hohes Risiko aufweisen als fitte Übergewichtige. Das Sterberisiko bei Fettleibigen durch ein niedriges Fitneßniveau ist damit höher als durch andere Risikofaktoren. 

Alle bisher analysierten Studien untersuchten die Auswirkung von Fitneß auf einzelne oder mehrere Gesundheitsfaktoren. Studien, die die Einflüße des Gesundheitsstatus auf die Fitneß untersuchen, konnten in dieser Recherche nicht aufgefunden werden. Es gab lediglich vereinzelte Hinweise aus Querschnittsanalysen, daß die Gesundheit die Fitneß beeinflußt (Eichberg, 2003; Gerok und Brandtstätter, 1994; Lang, 1992; Convertino, 1997; Warbuton et al., 2001). 

Diskussion

Aus den Ergebnissen der analysierten Studien kann derzeit auf einen direkten primärpräventiven Zusammenhang zwischen Fitneß und physischer Gesundheit nicht geschlossen werden. Im Vergleich zu Untersuchungen über die Wirkung körperlicher Aktivität auf die Gesundheit wurden Art, Umfang, Dauer und Intensität sowie personenspezifisch differenzierte Unterschiede der Fitneß zu wenig berücksichtigt. Ebenso wurden die begriffliche Abgrenzung und die eingesetzten Meßparameter für sportliche Aktivität bzw. Fitneß nicht ausreichend unterschieden. Oftmals wurden sie gleichgesetzt und die körperliche Aktivitätsintensität als Indikator für die Fitneß benutzt. 

Bezüglich der einzelnen Komponenten der Fitneß - Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination - wurden vor allem deren Verbesserung und die dadadurch bewirkten positiven Veränderungen auf einzelne Indikatoren der Gesundheit untersucht. Zudem befaßten sich die meisten Studien mit den Auswirkungen einer erhöhten Ausdauer und die wenigsten mit einer verbesserten Koordination. Lediglich Ausdauer und Kraft zeigten einheitliche Auswirkungen sowohl in Quer- als auch Längsschnittuntersuchungen. Bei der Beweglichkeit ergaben sich in beiden Untersuchungsverfahren große Unterschiede. Nach den bisherigen Ergebnissen scheint die Ausdauer auf den Risikofaktor Übergewicht einen positiven Einfluß zu haben. Die anderen Komponenten wurden in der Literatur nicht berücksichtigt. Einzuschränken ist, daß hauptsächlich übergewichtige männliche Probanden untersucht wurden. Ob eine Gewichtsabnahme der guten Fitneß oder der erhöhten Kalorienverbrennung durch körperliche Aktivität und der dadurch verbesserten Fitneß zuzuschreiben ist, bleibt offen. Angenommen werden kann, daß Personen mittleren Alters mit einer guten Fitneß weniger zur Hypertonie neigen und bei manifester Hypertonie durch eine gesteigerte Leistungsfähigkeit der Blutdruck gesenkt werden kann. Unklar bleibt, ob die Fitneß direkt oder indirekt eine Blutdrucksenkung verursacht, da ein durch ein Training bewirktes günstiges Körpergewicht nachgewiesenermaßen darauf Einfluß nimmt. Ebenfalls anzunehmen ist, daß die gefundenen Zusammenhänge von Fitneßzustand und Cholesteringehalt hauptsächlich auf Veränderungen des Körpergewichts zurückzuführen sind. Ähnliches scheint auch für den positiven Einfluß bei Diabetes mellitus zu gelten. Die meisten Studien wurden zu KHK und den mit ihr zusammenhängenden Risikofaktoren durchgeführt. Mit Ausnahme der Studie von Wilmore et al. (2001) wurde in der Regel eine Abnahme der Risikofaktoren bei guter sowie gesteigerter Fitneß festgestellt. 

In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, daß eine gute Fitneß in der Lage ist, das relative Sterberisiko zu senken. Kritisch ist hierbei anzumerken, daß genetische Zusammenhänge nicht berücksichtigt wurden und Untersuchungen mit Frauen nur selten erfolgten. Zudem ist nicht geklärt, wie sich der Fitneßlevel im Kindes- und frühen Erwachsenenalter künftig auswirkt (Hardman und Stensel, 2003; Leonard, 2001; Malina, 2001;). Bei der Interpretation dieser Ergebnisse ist ebenfalls zu bedenken, daß überwiegend nur sportlich aktive Personen einbezogen wurden und fast ausschließlich die Ausdauer als Komponente der Fitneß zugrunde gelegt wurde. Entsprechende Untersuchungen mit Probanden, die unter anderen chronischen Erkrankungen leiden, wurden nicht durchgeführt. Die angegebenen Mortalitätsraten müssen deshalb unter Einschränkung bewertet werden. Denn aus der Untersuchung von Hammel (2002) ist z.B. zu entnehmen, daß im Herbst Geborene in Österreich 6 Monate und in Dänemark 3 Monate länger leben. Legt man die von Paffenbarger et al. (1993) gefundene Lebensverlängerung von 0,37 Jahren zugrunde, so resultiert daraus, daß sportlich aktive, fitte Menschen nicht länger leben, sofern sie im Frühling geboren wurden und in Österreich leben. Offensichtlich existieren noch zahlreiche, unerforschte Einflüße auf die Mortalitätsrate. 

Nach den bisherigen Ergebnissen scheint sich aber ein höherer Fitneßlevel auf den Stütz- und Bewegungsapparat positiv auszuwirken. Es konnte aufgezeigt werden, daß die Knochendichte erhöht und dadurch widerstandsfähiger gegen Druck-, Zug- und Torsionskräfte wird. Sehnen werden reißfester, und die einzelnen Muskelfasern bilden sich stärker aus. Folglich kann eine gute Fitneß vor Verletzungen schützen. Um diese jedoch zu erreichen, wird durch notwendige höhere körperliche Aktivität das Verletzungsrisiko wiederum erhöht.

Langzeit- sowie alterskorrelierte Studien lassen z.T. einen Zusammenhang zwischen Fitneß und Gesundheit eines Individuums vermuten (Bouchard und Shepherd, 1994; Spirduso, 1995). Allerdings wiesen Mader und Ullmer (1995) nach, daß leistungsfähige Personen nicht unbedingt gesünder sein müssen als weniger leistungsfähige. Eichberger (2003) fand nach zwei Meßzeitpunkten innerhalb von vier Jahren einen mittleren bis hohen Zusammmenhang zwischen Fitneß und Gesundheit und bezeichnet sie als stabil, jedoch weist er auf große individuelle Unterscheide hin. Querschnittlich sind nur geringe Zusammenhänge zu erkennen (Malina, 2001). Daß eine Veränderung der Fitneß auch eine Veränderung der Gesundheit bewirkt, konnte nur bei jüngeren Männern nachgewiesen werden. 
Untersuchungen zum Einfluß der Gesundheit auf die Fitneß waren nicht aufzufinden. Hierzu beschränkten sich die meisten Autoren auf Hinweise. 

Gemessen an dem, mit welcher Intensität Forscher, Krankenkassen und Medien eine gute Fitneß propagieren, um die Gesundheit zu verbessern bzw. zu erhalten, ist ein diesbezüglicher Zusammenhang anhand der bis dato vorliegenden Untersuchungsergebnisse nur mit Einschränkung zu begründen. Dabei scheint ein solcher Effekt bei Personen mit niedrigem Fitneßausgang noch am wirkungsvollsten zu sein. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung von Fitneß und Gesundheit ist jedoch weitgehend ungeklärt und erfordert weitere Forschungsanstrengungen.

Dabei ist von besonderer Bedeutung, daß unabhängig von der Art physischer Aktivität, ob geplante Übungen, Sport, Freizeitaktivitäten, Hausarbeit und andere Arbeitsbelastungen, ein positiver Einfluß auf die physische Fitneß gleichermaßen erzielt werden kann. Entscheidend allein ist der angemessene Energieverbrauch (Blair et al., 1992).

Zusammenfassung

Da nicht nur im umgangssprachlichen Bereich mit Fitneß und Gesundheit geworben wird, sollte anhand einer Analyse wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse geprüft werden, inwiefern ein Zusammenhang von Fitneß und Gesundheit anzunehmen berechtigt ist. 
Es zeigte sich, daß die begrifflichen Inhalte unterschiedlich definiert und Fitneß zudem gegenüber sportlichen Aktivitäten selten eindeutig abgegrenzt wird. Uneinheitlich sind auch die eingesetzten Meßparameter für die quantitative Bestimmung der Fitneß. 

Soweit Ergebnisse zum Zusammenhang von Fitneß und Gesundheit vorliegen, wurden diese vorwiegend unter primärpräventiven Aspekten erarbeitet und Effekte auf einzelne Komponenten der Gesundheit geprüft. Aus diesen Ergebnissen kann angenommen werden, daß Risikofaktoren für eine koronare Herzerkrankung durch eine gute Fitneß gesenkt werden, wenngleich unklar bleibt, ob die Fitneß direkt oder nur über die mit ihr einhergehende Gewichtsreduzierung zu diesem Ergebnis führt. Einige Studien konnten nachweisen, daß mit zunehmender Fitneß die Erkrankungsrate der koronaren Herzerkrankungen sowie die Mortalitätsrate sinken. Längerfristige Effekte einer guten Fitneß auf diese Erkrankungen blieben jedoch unbeantwortet. Mehrere Studien weisen darauf hin, daß das Verletzungsrisiko am Bewegungsapparat durch eine gute Fitneß minimiert wird. Allerdings ist zu bedenken, daß zur Erreichung einer guten Fitneß hohe physische Aktivitätsbelastungen notwendig sind, die nicht selten mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einhergehen. 

Insgesamt muß der kausale Zusammenhang zwischen Fitneß und Gesundheit noch weitgehend als unbeantwortet angesehen werden. Das gilt insbesondere auch für den Einfluß der Gesundheit auf die Fitneß, der in den analysierten Studien praktisch keine Berücksichtigung fand. Deshalb ist festzustellen, daß die derzeit vorliegenden Untersuchungsergebnisse einen Zusammenhang zwischen Fitneß und Gesundheit weit weniger begründen, als allgemein angenommen wird.

Literatur

Ausführliches Literaturverzeichnis beim Verfasser