Finanzentwicklung der GKV im Jahre 2006

Das BMG hat die vorläufigen Abschlusszahlen zur Finanzentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2006 veröffentlicht. 

Die gesetzliche Krankenversicherung hat bei einem Ausgabenvolumen von rd. 147,6 Mrd. Euro das Jahr 2006 auf Basis der vorläufigen Finanzergebnisse (KV 45) mit einem Überschuss von rd. 1,73 Mrd. Euro abgeschlossen. Das Finanzergebnis lag damit noch etwas günstiger als 2005, als die GKV ein Plus von 1,67 Mrd. Euro erzielte.

Der Überschuss, so Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Konsolidierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Sowohl die wirksame Begrenzung der Medikamentenausgaben durch das Arzneimittel-Sparpaket wie auch die seit Jahresmitte wieder steigenden beitragspflichtigen Einnahmen hätten zur positiven Finanzentwicklung beigetragen. Damit sei eine gute Voraussetzung geschaffen, dass die gesetzliche Krankenversicherung mit einer stabilen finanziellen Grundlage ab 2009 in den Gesundheitsfonds starten könne. 

Die Konsolidierung wird durch das BMG wie folgt kommentiert: 
"Die Schere zwischen Ausgabenanstieg und Zuwachs bei den beitragspflichtigen Einnahmen hat sich im Laufe des Jahres 2006 immer mehr geschlossen. Standen im 1. Quartal einem Zuwachs bei den Leistungsausgaben von 4,8 % je Mitglied lediglich stagnierende beitragspflichtige Einnahmen gegenüber, so sind nach den Daten des 1.-4. Quartals die Leistungsausgaben je Mitglied nur noch um 2,6% gestiegen, während sich bei den beitragspflichtigen Einnahmen mit 0,5% je Mitglied wieder ein leichter Zuwachs abzeichnet. 

Die positive Finanzentwicklung hat dazu geführt, dass sich in 2006 weitere Krankenkassen vollständig entschulden oder ihre Verschuldung deutlich abbauen konnten. (…). Insgesamt hat sich die Ende 2005 noch vorhandene Netto-Verschuldung der GKV von rd. 0,4 Mrd. Euro wieder in einen positiven Vermögensbestand von rd. 1,3 Mrd. Euro umgewandelt. Im Vergleich zu Ende 2003, als die Netto-Verschuldung noch bei 6 Mrd. Euro lag, bedeutet dies eine Verbesserung bei den Finanzreserven von mehr als 7 Mrd. Euro. (&.). Dabei ist es eine zentrale Aufgabe der betroffenen Spitzenverbände dafür zu sorgen, dass alle Kassen ab Anfang 2009 ohne Schulden in den neuen Gesundheitsfond starten können. 

Auch wenn die wesentlichen für die Einnahmeentwicklung relevanten Tarifabschlüsse noch ausstehen, spricht alles dafür, dass sich die beitragspflichtigen Einnahmen der GKV schon aufgrund der Monat für Monat steigenden Beschäftigung weiter erhöhen werden. (…). Einen deutlichen Zuwachs gab es bei den Beitragseinnahmen aus geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von rd. 1,9 Mrd. Euro auf 2,3 Mrd. Euro (+ 21 %) gestiegen sind. 

Die günstige Finanzentwicklung ist insbesondere von einer Abflachung der Ausgabenzuwächse geprägt. Nach einem Anstieg von 4,8 % im 1. Quartal, 3,5 % im 1. Halbjahr und 2,9 % im 1. bis 3. Quartal lag der Zuwachs bei den Leistungsausgaben je Mitglied im 1. bis 4. Quartal nur noch bei 2,6 %. Das heißt im isolierten 4. Quartal gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch einen Zuwachs von 1,8 %."

Die Veränderungsraten in den einzelnen Leistungsbereichen: 

  • Arzneimittel:
    "Zur Abflachung der Ausgabenzuwächse haben maßgeblich rückläufige Arzneimittelausgaben seit Inkrafttreten des Arzneimittel-Spargesetzes (AVWG) zum 1. Mai 2006 beigetragen. (…). Im Arzneimittelbereich, der 2005 mit fast 17 % expandiert ist, konnten erhebliche Wirtschaftlichkeitsreserven mobilisiert werden. (…)."
  • Krankenhausbereich: 
    "Bei den größeren Leistungsbereichen hat sich der Ausgabenzuwachs im Krankenhausbereich, der im 1. bis 3. Quartal noch bei rd. 4,1 % lag, auf 2,7 % im 1. bis 4. Quartal abgeflacht. (…). Mit einem Ausgabenanteil von rd. einem Drittel ist der Krankenhausbereich mit einem Finanzvolumen von rd. 50 Mrd. Euro der größte Ausgabenbereich der gesetzlichen Krankenversicherung." 
  • Ärztliche Behandlung:
    "Der Zuwachs von 2,8% bei den Ausgaben für ambulante ärztliche Behandlung ist maßgeblich von einem Zuwachs von 6,6 % in den neuen Ländern geprägt. Diese Entwicklung deutet auf eine erhebliche Verbesserung der Honorarsituation der ostdeutschen Ärzte hin."
  • Verwaltungskosten:
    "Die Verwaltungskosten der Krankenkassen blieben im Vergleich zu 2005 unverändert - wenn auch mit unterschiedlichen Veränderungsraten bei den einzelnen Kassenarten." 
  • Heilmittelbereich:
    Die Ausgaben für Heilmittel sind in den alten Bundesländern je Mitglied um 0,5 %, in den neuen Ländern je Mitglied um 4,7 % angestiegen. Für den Bund insgesamt ist dies eine Ausgabenerhöhung je Mitglied um 1,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Ost-West-Quote beträgt noch immer (nur) 89,1% je Versicherter. Der Heilmittelbereich hat einen Anteil an den Gesamtausgaben der GKV von 2,54 %.