Therapie | Therapie des subakromialen Schmerzsyndroms

Das subakromiale Schmerzsyndrom (subacromial pain syndrome, SAPS) kann als häufigste verursachende Pathologie von Schulterschmerzen angesehen werden. Übungsprogramme verschiedenster Art erwiesen sich als wirksam bei der Behandlung des SAPS und stehen den Effekten operativer Eingriffe nicht nach. Das Ziel dieser randomisiert kontrollierten Studie war es, die Effekte eines sechswöchigen exzentrischen Krafttrainings der Schulteraußenrotatoren bei Patienten mit SAPS mit denen eines generellen Übungsprogrammes zu vergleichen.

Material und Methoden:

An dieser Studie nahmen 48 Teilnehmer mit SAPS (20 weiblich, Durchschnittsalter 46,8+/–17,29 Jahre) teil. 25 Teilnehmer (10 Frauen) wurden randomisiert der Interventionsgruppe zugeordnet und 23 (10 Frauen) der Kontrollgruppe.

Für die Ergebnismessung wurden folgende Werte erhoben:

Western Ontario Rotator Cuff Index (WORC), Numeric Rating Scale (NRS), isometrische Kraftwerte, aktives Bewegungsausmaß, Upper Quarter Y Balance Test und Global Rating of Change (GROC). Die Testungen erfolgten zu Beginn, nach Woche drei und sechs sowie sechs Monate nach Beendigung der Intervention. Im Zuge der sechs Interventionswochen hatten alle vier Termine bei einem Physiotherapeuten.

Das Programm der Interventionsgruppe umfasste:

  • exzentrisches Training der Schulteraußenrotatoren; 3×15 Wiederholungen; einmal täglich
  • Skapularetraktion gegen den Widerstand eines elastischen Bandes; 2×?10 Wiederholungen, einmal täglich
  • Dehnung der posterioren Schulter; 3×30-45 Sekunden; einmal täglich

Das generelle Übungsprogramm der Kontrollgruppe beinhaltete:

  • aktives Bewegungsausmaß im Stand ohne Widerstand für Flexion in der Sagittalebene und Abduktion in der Frontalebene; 2×10 Wiederholungen; einmal täglich
  • Scapularetraktion gegen den Widerstand eines elastischen Bandes; 2×10 Wiederholungen, einmal täglich
  • Dehnung der posterioren Schulter; 3×?30-45 Sekunden; einmal täglich

Verlauf:

Alle Übungen wurden im maximalem tolerierbaren Bewegungsausmaß durchgeführt, aber ohne Zunahme an Symptomen und mittels unterschiedlicher Bandstärken des TheraBand™ Systems gesteigert (von Grün, Blau, Schwarz, Silber bis Gold). Hatten die Patienten eine Beschwerdezunahme während des Übens, sollten sie die Belastung soweit senken, bis das Beschwerdeniveau auf das in Ruhe oder sogar darunter gesunken ist.

Für das Training wurde eine Startposition gewählt, wobei die Patienten weit genug vom Fixierungspunkt entfernt standen, so dass das Band nicht mehr locker war. Während des exzentrischen Trainings assistierte die kontralaterale Hand bei der konzentrischen Phase und brachte den Übungsarm in die endgradige Außenrotation. Nach einer 2-sekündigen isometrischen Kontraktion in maximaler Außenrotation wurde langsam, in 3 Sekunden exzentrisch zur Startposition zurückgegangen. Der Widerstand des TheraBandes sollte so hoch, dass nicht mehr als 15 bis 18 Wiederholungen möglich waren.

Der posteriore Teil der betroffenen Schulter wurde mittels einer horizontalen Adduktion, den Oberkörper kreuzend, gedehnt und der kontralaterale Arm hielt den Arm in der Dehnposition.

Resultate:

Für das 6-Monat-Follow-up standen noch 75% der Patienten zur Verfügung (Ausfall: 9 aus Kontrollgruppe und 3 aus Interventionsgruppe). 

Zu allen Testzeitpunkten konnte ein signifikanter Unterschied zu Gunsten der Interventionsgruppe in Hinblick auf die Hauptergebnismessung, den WORC, gemessen werden. Sechs Monate nach Ende der Intervention zeigte die Interventionsgruppe außerdem signifikant bessere Resultate bezüglich der NRS. Weiterhin  gab es signifikante Unterschiede bei der Kraft der Außenrotatoren, Innenrotatoren und Abduktoren.

Nach sechs Monaten gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede beim Global Rating of Change, dem aktiven Bewegungsausmaß, dem Upper Quarter Y Balance Test sowie bei den Kraftverhältnissen.

Konklusion:

Im Hinblick auf Kraft, Schmerz und Funktion zeigte das exzentrische Trainingsprogramm für die Schulteraußenrotatoren nach sechs Monaten bessere Ergebnisse als allgemeine Schulterübungen.

IAOM-Kommentar:

Uns ist aufgefallen, dass die Dehnung der posterioren Schulter in dieser Untersuchung sehr unspezifisch ausgeführt wurde. In Anlehnung an Burkhart et al (2003) [1], die gesehen haben, dass eine Verkürzung der posterioren Schultergelenkskapsel einen Zusammenhang hat mit der Entwicklung eines Impingements, was auch in zahlreichen anderen Studien belegt worden ist, empfehlen wir die Dehnung etwas spezifischer auszuführen:

Dehnung der posterioren Schulterkapsel:

  • Patient steht halb gedreht gegen eine Wand und stabilisiert die Scapula gegen diese.
  • Der Arm wird in 90° Scaption gehoben, horizontal adduziert und innenrotiert
  • Es wird ein axialer Druck gegen den Ellenbogen nach posterior ausgeführt, um eine anteriore Subluxation zu vermeiden
  • Die Dehnung der posterioren Kapsel wird erzeugt, indem der Patient die Hand des Armes zum Boden dreht und gleichzeitig den Ellenbogen zur Decke
  • Es ist empfohlen, diese Spannung mehrmals täglich für einige Minuten zu halten.

Literatur:

[1] Burkhart SS, Morgan CD, Kibler WB. The disabled throwing shoulder: spectrum of pathology Part I: pathoanatomy and biomechanics. Arthroscopy. 2003;19:404-420?

Foto: Adobe/yodiyim